TV-Vorschau 12. – 18. November 2016

Von der frühen Industriespionage bis zu Hügelgräbern im arabischen Bahrain reicht die Palette der Geschichtsdokus in der kommenden Woche. Erwähnenswert: zwei Beiträge, die sich mit der Bewältigung der familiären NS-Vergangenheit aus Sicht der Kinder und Enkel befassen.

Samstag, 12. November

  • Industriespionage im 19. Jahrhundert ist Thema der Doku „Die Abenteuer des Robert Fortune” oder „Wie ein Mann den Chinesen ihren Tee klaute“ um 20.15 Uhr auf Arte. „Der schottische Botaniker und Forschungsreisende Robert Fortune sorgte im 19. Jahrhundert für den vielleicht ersten Fall von ‚Industriespionage‘ in der Geschichte. Das British Empire entsandte Fortune in das Reich der Mitte, um die begehrte Tee-Pflanze zu stehlen, die Geheimnisse der Teeherstellung zu ergründen und den Anbau in Indien zu ermöglichen.“
  • Um 21.45 Uhr sendet Phoenix „Die zwei Leben des Helmut Schmidt”. Er „galt als knallharter „Macher“ und moralische Instanz. Seine andere Seite verbarg der Kanzler, so gut er konnte: die schweren Krankheiten, Affären und Depressionen.“

Sonntag, 13. November

  • Die Rezeption des Zweiten Weltkriegs in der ehemaligen Sowjetunion und heute in Russland ist ambivalent. „Aus der Erinnerung an den Großen Vaterländischen Krieg schöpft Russland immer noch seine Identität. Der Mythos ist wahrer als wahr. Der russische Staat braucht Helden.“ Diesem Phänomen geht eine zweiteilige Doku auf tagesschau 24 nach. Um 20.15 Uhr geht es um „Das sowjetische Erbe”. Dieser „erste Teil erzählt vom Krieg aus russischer Sicht, der mehr zur nationalen Identitätsstiftung beiträgt als irgendein historisches Ereignis in Russland sonst.“ — Der zweite Teil folgt um 21.02 Uhr mit dem Titel „Das vergessene Verbrechen”. „Wann immer vom Russlandkrieg erzählt wird, dann in großen Kapiteln: Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941, rascher Vorstoß, Steckenbleiben im frühen und kalten Winter, Schlacht vor Moskau, Stalingrad, der Fall Berlins. Gleichzeitig fand der Holocaust statt, der all das Düstere noch überschattete. Dahinter verborgen ist eine weitere Untat, von der nur höchst selten gesprochen wird, von der viele nichts wissen und viele lieber nichts wissen würden: der Tod von drei Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen – durch physische Gewalt, Aushungerung und Krankheit. Eine der bedrängendsten Tragödien des Zweiten Weltkriegs. Ein Massenmord hinter dem Massenmord. Die Täter selbst haben ihr Tun dokumentiert. Als wären sie sich keiner Schuld bewusst.“ — Um 21.47 Uhr folgt ein Blick auf das „Schlachtfeld Berlin”. „Es war die letzte Schlacht des Zweiten Weltkrieges auf europäischem Boden. Ja, es war die letzte große Schlacht in Europa überhaupt. Sie begann am 16. April 1945 mit der sowjetischen Großoffensive an der Oder. Auf deutscher Seite wurde sie von einem zusammengewürfelten Haufen geführt. Ein letztes Aufgebot: kümmerliche Reste der Wehrmacht, eine auf wenige hundert Mann zusammengeschmolzene Waffen-SS, minderjährige Luftwaffenhelfer, alte Männer und kleine Jungs in Hitlers Volkssturm. Zahllose Zivilisten harrten in den Kellern, unter den Ruinen ihrer Häuser aus, suchten Schutz in Trümmern, irrten zwischen den Fronten umher. Frauen, Kinder, Alte; Nazis und Verfolgte.“
  • Er war der „Der Weltverbesserer aus dem Westerwald: Friedrich Wilhelm Raiffeisen”. Er gründete „vor mehr als 150 Jahren die ersten deutschen Genossenschaften. Jetzt soll die UNESCO die Idee des Westerwälders als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkennen.“ (SWR, 20.15 Uhr).
  • ZDF-History zeigt um 23.25 Uhr die biografische Doku „Stalin – Der rote Zar”.

Montag, 14. November

Dienstag, 15. November

  • „Die Schicksalsmauer am Edersee – Ein Jahrhundertprojekt und seine Folgen”. „Es war der größte Staumauerbau Europas und einer der größten der Welt, als er 1914 fertiggestellt wurde. Das Prestigeprojekt des Kaiserreiches hat damals wie heute in das Leben vieler Menschen eingegriffen. Für die Dokumentation ‚Die Schicksalsmauer am Edersee‘ wurden alte Quellen und Filmarchive ausgewertet. Das Prestigeprojekt des Kaiserreiches hat damals wie heute in das Leben vieler Menschen eingegriffen, es ist auch eine Schicksalsmauer, die da gebaut wurde. Die Menschen im Edertal verloren auf den überfluteten Flächen ihre Heimat, manch einer setzte aus Gram darüber seinem Leben ein Ende. Andere gründeten am neuen See neue Existenzen. Nicht erst bei heutigen Mammutprojekten wie dem Berliner Flughafen haben sich die Bauherren verrechnet, explodieren die Kosten. Schon beim Bau der Mauer für den Edersee, den Kaiser Wilhelm vor mehr als 100 Jahren aufstauen ließ, wurde später begonnen als geplant, die Fertigstellung verzögerte sich, und das Projekt wurde deutlich teurer – sehr modern also. Er war der größte Staumauerbau Europas und einer der größten der Welt, als er 1914 fertiggestellt wurde.” (HR, 20.15 Uhr)
  • „Montag, 22. Februar 1960, 08:20 Uhr. Im Zwickauer Steinkohlebergwerk gibt es eine Explosion, 174 Bergmänner werden in 1.100 Meter Tiefe verschüttet. Die Rettungskräfte kämpfen sich in die Schächte, in denen es kaum noch Sauerstoff gibt, nur noch Qualm, Feuer, Hitze und die vage Hoffnung, die eingeschlossenen Kumpel lebend bergen zu können.” „Der Tod im Schacht – Zwickau 1960”, MDR, 22.50 Uhr.

Mittwoch, 16. November

  • In der Reihe „Unsere Geschichte“ geht es um 21 Uhr im NDR um die Zeit, „Als Zigaretten das Überleben sicherten – Schwarzmarkt in Norddeutschland 1945”.
  • „Vom Nazi-Opfer zum SS-Täter? Die unheimliche Verwandlung meines Urgroßonkels” ist Thema in der Reihe „Die Spur der Ahnen“ um 21.15 Uhr im MDR. „In der Familiengeschichte von David Löblich aus Aschersleben gibt es eine dunkle Stelle: Bertus Adelerhof, sein Urgroßonkel. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist ‚Onkel Beppo‘ verschwunden, von dem die Großtante immer wieder schwärmt. Der 18-Jährige will unbedingt herausfinden, was es mit den Legenden um den Urgroßonkel auf sich hat. Ein netter und guter Mann sei er gewesen, erzählt die Tante. Aber es gibt viele widersprüchliche Details. Bertus Adelerhof soll als gebürtiger Niederländer mitten im Krieg in Magdeburg Zwangsarbeiter gewesen, aber später zur Waffen-SS gegangen sein. Danach verschwand er auf nimmer Wiedersehen, seine deutsche Frau hat ihn vermutlich in den 1950er-Jahren für tot erklären lassen. Bei seinen Recherchen entdeckt David im österreichischen Salzburg einen Mann mit gleichem Namen und demselben Geburtsdatum, der 1976 verstorben ist. Ein Zufall? Oder ist das sein unbekannter Urgroßonkel? Wie kam er dorthin? Und was hat er im Krieg getan: War er ein Opfer der Nazis oder ist er in der SS selbst zum Täter geworden? David Löblich macht sich auf den Weg, die Wahrheit herauszufinden.“
  • In dem Film „Meine Familie, die Nazis und ich“ um 23.25 Uhr im WDR geht es um die Bewältigung der eigenen Familiengeschichte aus Sicht der Nachkommen ehemaliger NS-Verbrecher. „In der Dokumentation von Regisseur Chanoch Ze’evi beginnen Kinder und Enkel der NS-Täter eine Aufarbeitung auf ganz persönlicher Ebene. So verschieden wie die Protagonisten des Films, so unterschiedlich sind auch die Wege, die sie gefunden haben, um mit ihrem schweren Familienerbe umzugehen. Vor der Kamera des israelischen Filmemachers öffnen sie sich und erzählen ihre persönliche Familiengeschichte. Ihre Aussagen geben einen lebendigen Einblick in das familiäre Herz einer ganzen Generation.“

Donnerstag, 17. November

Heute leider eine Fehlanzeige.

Freitag, 18. November

  • Altägyptische Geschichte auf Phoenix. Die zweiteilige Doku „Ägypten – Leben und Sterben im Tal der Könige“ läuft um 20.15 Uhr „Leben” und um 21.15 Uhr „Tod”. „Das Ehepaar Kha und Merit lebte 3.500 Jahre vor Christus in dem kleinen Wüstendorf Deir el-Medina am Westufer des Nils gegenüber von Luxor und dem Tal der Könige. Kha war leitender Architekt bei der Errichtung der Nekropole unter Amenhotep II., Thutmosis IV. und Amenhotep III., Merit war seine Gattin. Der zweiteilige Dokumentarfilm schildert, wie sich ihr Alltag gestaltete. Die Archäologin Joann Fletcher beschäftigt sich im ersten Teil mit Architektur, Stadtanlage, Arbeitsbedingungen, Kleidungs- und Ernährungsgewohnheiten in der Totenstadt Theben-West, der berühmtesten Nekropole überhaupt. Der zweite Teil des Dokumentarfilms erklärt, welche Vorstellungen die Ägypter vom Leben nach dem Tod hatten.“ — Im Anschluss folgt noch die kurze Doku aus der Reihe „Schätze der Welt – Erbe der Menschheit“ „Das Fort von Bahrain – Perle im Arabischen Golf” (22.15 Uhr). „Bahrain – eine sagenhafte Insel. Begehrt von Eroberern, Seeräubern und Königen gleichermaßen. Mehr als 4.000 Jahre reicht die Siedlungsgeschichte des geographisch, strategisch und kulturell zentral gelegenen Eilands zurück. Von ihr aus kontrollierten die jeweiligen Machthaber den Seehandelsweg zwischen Ostasien, Indien und dem Vorderen Orient. 160.000 Hügelgräber sind die unübersehbaren Zeugen einer langen Geschichte und machen Bahrain bis heute zur größten Nekropole der Erde. Über allem thront die Festung Qal‘ at al-Bahrain. Sie ist die krönende Spitze des Kulturberges, den die Portugiesen im 16. Jahrhundert der mythenreichen Insel aufgesetzt haben.“
  • Der scheinbar ewige Nahost-Krieg hatte durchaus einen Anfang, Ursachen, die in der Kolonialpolitik während des Ersten Weltkriegs liegen: „100 Jahre Krieg in Nahost – Das Sykes-Picot-Geheimabkommen und seine fatalen Folgen”. „Alexander Stenzel zeichnet den blutigen Weg des Nahen Ostens nach, vom Geheimabkommen Sykes-Picot bis zum islamistischen Terrorismus unserer Tage.“ (tagesschau 24, 21.17 Uhr).

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