„Schatzhäuser. Antiken aus Xantener Privatbesitz und europäischen Museen“ – Eine Sonderausstellung in Xanten

Am vergangenen Sonntag, dem 19. September wurde im Xantener Römermuseum die Ausstellung „Schatzhäuser. Antiken aus Xantener Privatbesitz und europäischen Museen“ eröffnet.

Ich hatte das Vergnügen, bei der Eröffnung dabei zu sein, und kann diese Ausstellung allen nur wärmsten Empfehlen, die sich für die archäologische Geschichte Xantens, Provinzialrömische Archäologie, Antiken-Sammlerei interessieren.

Da ich vor vielen Jahren einmal als Wissenschaftlicher Volontär meine berufliche Laufbahn nach dem Studium im Regionalmuseum/Archäologischer Park Xanten begonnen hatte, in der letzten Zeit aber wenig Gelegenheit zu gelegentlichen Besuchen gefunden habe, war es mir ein willkommener Anlass, mal wieder vorbeizuschauen. Es ist immer schön, alte Kollegen wiederzusehen. Hinzu kommt, dass die Ausstellung mein Dissertationsthema (Entstehung und Entwicklung der staatlichen Bodendenkmalpflege in den preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen) berührt und mein Interesse schon allein deshalb geweckt war.

Die Eröffnung

Die Eröffnungszeremonie war kurz, knapp und präzise. Die Reden des Stellv. Vorsitzenden der Landschaftsversammlung Winfried Schnittges und des Leiters des LVR-Archäologischen Parks und Römermuseums Dr. Martin Müller, besonders aber die inhaltliche Einführung durch den gerade in Ruhestand getretenen ehemaligen Museumsleiter Dr. Schalles waren informativ und kurzweilig. Besonders gefreut hat mich, dass Dr. Hans-Joachim Schalles trotz seiner kürzlich erfolgten Pensionierung das Zustandekommen und das Konzept der Ausstellung erläuterte, hatte ich doch bei ihm mein Volontariat absolviert. Vor allem aber ist diese Ausstellung „sein Kind“. Schon immer war er sehr darum bemüht, die Berührungsängste der Xantener Bevölkerung zur wissenschaftlichen Bodendenkmalpflege und zum damaligen Regionalmuseum abzubauen. Viele befürchteten, sie müssten ihre archäologischen Schätze, die sie auf ihren Grundstücken, Feldern oder bei Spaziergängen gefunden haben, abliefern, wenn sie sie den Fachleuten des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege oder des Regionalmuseums/Archäologischen Parks zur Begutachtung überließen. Es bedurfte langer vertrauensstiftender Überzeugungsarbeit, um diese Sorgen zu zerstreuen und Zugang zu den archäologischen Funden in den Privathäusern zu bekommen. Schon Mitte der 90er Jahre gelang es Hans-Joachim Schalles, hier die Türen zu öffnen. Ich erinnere mich, welch großen Erfolg es darstellte, wenn wieder einmal ein eifriger Sammler den Weg ins Regionalmuseum gefunden hatte, und Dr. Schalles und wir anderen Mitarbeiter des Museums die Stücke begutachten durften. Er ermöglichte so eine Erfassung, Bearbeitung und Veröffentlichung der Xantener Gemmen auch aus Privatbesitz (Platz-Horster, Gertrud [Hrsg.], Die antiken Gemmen aus Xanten II. Im Besitz des Archäologischen Parks/Regionalmuseums Xanten, der Katholischen Kirchengemeinde St. Mariae Himmelfahrt Marienbaum sowie in Privatbesitz. Führer und Schriften des Regionalmuseums Xanten. 35, Köln, Bonn 1994).

Nicht vergessen werden darf aber auch die Mitwirkung von Dr. Dirk Schmitz und Patrick Jung, die seit dem Ausscheiden von Dr. Schalles aus dem Dienst die Verantwortung für die Ausstellung tragen.

Die Ausstellung

Diese Ausstellung geht nun über den begrenzten Raum der Gemmenfunde weit hinaus und bestätigt das inzwischen gewachsene Vertrauen zwischen privaten Altertumsliebhabern und ~sammlern auf der einen und staatlicher Bodendenkmalpflege auf der anderen Seite.

Entsprechend groß war auch die Besucherzahl – offenbar größer als zunächst erwartet, denn vor Beginn der Veranstaltung musste noch schnell die Bestuhlung im Foyer des Museums erweitert werden. Trotzdem blieben für zahlreiche Gäste nur Stehplätze. Der Grund dürfte vor allem auch darin gelegen haben, dass viele Xantener als Leihgeber an dieser Ausstellung persönlich beteiligt waren, geht es doch gerade um die Schätze der Xantener Privathäuser.

In der Ausstellung selbst finden sich so mehr als 600 Sammlerstücke, die teilweise erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen sind, teilweise nach knapp 150 Jahren wieder an ihren Ursprungsort zurückkehrten. So zum Beispiel Stücke aus der Sammlung des Xantener Notars Philipp Houben, der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Privatsammlung römischer Antiken aus Xanten in seinem Wohnhaus aufbewahrte und der interessierten Öffentlichkeit präsentierte. Nach seinem Tod ging diese großartige Sammlung schnell verloren, erst durch Einbruch dezimiert und später von den Erben als Einzelstücke in alle Welt versteigert. Dies war u. a. ein Grund, in Bonn ein Provinzialmuseum (das heutige Landesmuseum) zu gründen, um ein Instrument zu bekommen, derartige Sammlungen im Rheinland zu erhalten. Nun kommen einzelne Stücke, die sich heute in verschiedenen Museen Europas befinden, wenigstens für ein paar Monate zurück an den Niederrhein.

Aber es sind nicht nur römerzeitliche Objekte zu sehen. Die zeitliche Bandbreite reicht von der Bronzezeit bis ins Mittelalter. Rund 40 Privatsammler

haben ihre Funde für die Ausstellung zur Verfügung gestellt.

Der Aufbau der Ausstellung basiert auf den Fundorten (im wahrsten Sinn des Wortes, denn auf dem Fußboden ist eine große Karte Xantens und seiner Umgebung aufgebracht, auf der die Herkunft der einzelnen Exponate nachvollzogen werden kann), denn es soll deutlich gemacht werden, dass das einzelne Objekt, so wichtig es für den Sammler selbst ist, nur einen sehr geringen wissenschaftlichen Aussagewert besitzt. Erst durch die genaue Kenntnis des Fundortes können wesentliche weitere Informationen über die Geschichte des Objekts gewonnen werden. Und nur so wird aus einem hübsch anzuschauenden Sammlerstück schließlich eine historische Quelle.

Ganz in diesem Sinn werden Exponate, die sich nicht mehr verorten lassen, in einem überdimensionalen Setzkasten präsentiert, eben so, wie sie oftmals im Wohnzimmer des Sammlers aufbewahrt werden.

Die Daten zur Ausstellung

Die Sonderausstellung „Schatzhäuser“ ist bis zum 9. Januar 2011 zu sehen und auf jeden Fall einen Abstecher nach Xanten wert. Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen, auf den ich hier gesondert eingehe. Er umfasst 167 Seiten und kostet im Museum nur 9,90 Euro im Buchhandel 19,90 Euro (Schalles, Hans-Joachim; Schmitz, Dirk [Hrsg.], Schatzhäuser. Antiken aus Xantener Privatbesitz und europäischen Museen. Kataloge des LVR-Römermuseums im Archäologischen Park Xanten. 4, Darmstadt 2010 – ISBN  978-3896788542 ).

Einen Vorbericht zur Ausstellung kann man im übrigen auf der Homepage derwesten.de hier nachlesen, einen Bericht von der Ausstellungseröffnung der Rheinischen Post hier.

Last but not least hier die Homepage zur Ausstellung.

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