TV-Vorschau 10. – 16. März 2018

Stolpersteine, Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg, westdeutsche Gesinnungsprüfungen, Österreich vor und nach dem Anschluss an Deutschland, Filmgeschichte, Enteignung von Juden und Widerstand gegen Hitler und noch einiges mehr gibt es in der kommenden Woche zum Thema Geschichte zu sehen. Hier meine kleine Auswahl.

Samstag, 10. März

  • Auf Tagesschau 24 geht es um die Judenverfolgung im „Dritten Reich“. Um 20.15 Uhr ist „Der große Raub – Wie in Hessen die Juden ausgeplündert wurden“ Thema zum Einstieg. „‚JS‘ stand auf der Steuerakte: Das bedeutete ‚als Jude veranlagt‘. Wer dieses Zeichen bekam, wurde vom Finanzamt bis auf die letzte Mark ausgeplündert. Der erschütternde Film zeichnet die Ausplünderung der Juden von 1933 bis zu den Deportationen 1941 bis 1943 akribisch nach, nennt die hunderterlei Verordnungen und ‘Gesetze’, die die Opfer erst all ihre Habe und am Ende meist ihr Leben kosteten. Trotz der langen Zeit, die seitdem vergangen ist, gelang es den Filmautoren, eine Reihe von Zeitzeugen zu finden, die über ihre damaligen Erfahrungen berichten, darunter Finanzbeamte und deren Opfer.“ — In den beiden folgenden Sendungen geht es um die „Stolpersteine“. Um 21.02 Uhr ist „Ulrich Timm im Gespräch mit Anna Warda“ vom Stiftungsbeirat Stolpersteine und um 21.30 Uhr wird das ganze Projekt und sein Initiator vorgestellt: „‚Ich bin da so hineingestolpert…‘ – Die Gedenksteine des Gunter Demnig“. „Eigentlich sollte es nur eine einzelne Kunstaktion werden. Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig wollte mit ihr Passanten zum Innehalten und Nachdenken provozieren. Vor Häusern, deren Bewohner von Nationalsozialisten ermordet wurden, schlug er pflastersteingroße Messingplatten in den Boden, die Namen, Geburts- und Sterbedaten der Ermordeten tragen. Mittlerweile ist aus dem Bildhauer und Konzept-Künstler Demnig der Schöpfer einer flächendeckenden ‚sozialen Skulptur‘ geworden, die sich über ganz Europa spannt. Seine Stolpersteine holen die Erinnerung an Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft in den Alltag hinein.“ — Um 22 Uhr folgt „Über Leben in Auschwitz – Vier Berichte aus Birkenau“.
  • Auf One ist der Zweiteiler „Gladbeck“ (BRD 2018, Regie: Kilian Riedhof) aus der ARD vom letzten Mittwoch noch einmal zu sehen: Teil 1 um 20.15 Uhr, Teil 2 um 21.40 Uhr. Auch die dazugehörige Doku „Das Geiseldrama von Gladbeck – Danach war alles anders“ läuft um 23.10 Uhr noch einmal.
  • Die ZDF-History-Folge „Walter Ulbricht – Sein geheimes Doppelleben“ ist um 21.45 Uhr auf Phoenix zu sehen.

Sonntag, 11. März

  • „Die Geschichte von Flucht und Vertreibung wurde jahrzehntelang als geglückte Integration und Erfolgsmodell im deutschen Wirtschaftswunderland gepriesen. Tatsächlich erfahren die deutschen Neubürger im Westen oft Ablehnung. Der Neuanfang in der jungen Bundesrepublik ist schwierig. […] Mit Flüchtlingen von heute verbindet sie die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, aber auch die Begegnung mit Vorurteilen.“ Die Doku „Kalte Heimat“ erzählt solche „Fluchtgeschichten aus dem Südwesten“ (SWR, 20.15 Uhr).

Montag, 12. März

  • „Geschichte im Ersten“ blickt zurück auf die Zeit, „Als das Gewissen geprüft wurde“ (ARD, 23.30 Uhr). „Ja oder nein zum Kriegsdienst an der Waffe? Diese Frage beschäftigte jahrzehntelang hunderttausende junger Männer in West- und Ostdeutschland. Es war ein großes Thema, das Familien unter Druck setzte und die Gesellschaft einst auch spaltete. Dabei schien das Grundgesetz der Bundesrepublik eindeutig und legte fest: ‚Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.‘ Die Verweigerung hätte also unproblematisch sein müssen. Doch das Gegenteil war der Fall. Verweigerer wurden besonders in den 1970er und –80er Jahren von staatlichen Stellen geradezu drangsaliert. In inquisitorischen Verfahren wurde ihr Gewissen geprüft.“

Dienstag, 13. März

  • In „Nacht über Berlin“ (BRD 2013) erzählt Friedemann Fromm die Ereignisse der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 am Beispiel einer Berliner Sängerin und eines jüdischen SPD-Reichtagsabgeordneten (3sat, 20.15 Uhr). — Um 22.05 Uhr folgt die Doku „Hitler und die Kinder vom Obersalzberg“. Dort hatte Hitler einen zweiten Regierungssitz errichten lassen. „Wo der ‚Führer‘ wohnt, dort wollen auch die Paladine residieren: neben Hitlers Sekretär Martin Bormann auch Luftwaffenchef Hermann Göring, der Architekt und spätere Rüstungsminister Albert Speer. Daher müssen Familien in der Umgebung ihre Häuser verlassen. Wer nicht spurt, dem droht Konzentrationslager. Ein Zeitzeuge berichtet über die brutalen Methoden und die Drohungen Bormanns, der die Leitung des Projekts innehatte.“ — Der Spielfilm „Der Bockerer“ (AUT, BRD 1981, Regie: Franz Antel) erzählt um 22.55 Uhr die Tage nach dem Anschluss Österreichs und dem Einmarsch deutscher Truppen in Wien. „Karl Bockerer, Fleischhauer in der Wiener Vorstadt, muss feststellen, dass das Deutsche Reich auch sein Leben und seine Umwelt durcheinander zu bringen beginnt. Sein Sohn ist der Faszination der blank gewichsten Stiefel und schönen Uniformen bereits erlegen. Seine Frau zieht es zu Aufmärschen, einer seiner Tarockpartner muss Hals über Kopf Wien verlassen, Nachbarn beginnen Nachbarn zu denunzieren. Das ‚Tausendjährige Reich‘ dominiert auch die Wiener Vorstadt. Doch der Bockerer ist ein Individualist, ein Unangepasster mit scharfem Verstand und bissigem Humor. Schelmisch und gleichzeitig ernst, ruhig und unwahrscheinlich schlagfertig beginnt er den passiven Widerstand, und seine Waffe ist der Spott.“ — Der letzte österreichische Bundeskanzler vor dem Anschluss an das deutsche Reich war „Kurt Schuschnigg: katholisch – diktatorisch – amerikanisch“. „Das filmische Porträt des Ständestaat-Kanzlers beleuchtet den Zeitraum von Schuschniggs ersten politischen Ämtern über seine Zeit als einer der berühmtesten Häftlinge Hitlers bis hin zu seinen Jahren als Professor in den USA.“ (0.35 Uhr).
  • Die MDR Zeitreise“, das Geschichtsmagazin mit Mirko Drotschmann, ist um 21.15 Uhr zu sehen.

Mittwoch, 14. März

  • Das Hitlerattentat vom 20. Juli hat sich im Bewusstsein der Menschen fest verankert, weil es zum Symbol des deutschen Widerstands gemacht worden war. Das Spektrum des Widerstands war aber viel umfassender und die Zahl der Attentatsversuche auf Hitler viel größer, als man es gemeinhin erwartet. Georg Elser, ein Schreiner aus dem schwäbischen Königsbronn, ist so jemand, der völlig eigenständig versucht hat, Hitler zu bekämpfen. Wäre sein Plan gelungen, wäre die Geschichte völlig anders verlaufen und der Welt ein Inferno erspart geblieben. „Am 8. November 1939 wird ein Mann an der Grenze zur Schweiz wegen des Besitzes verdächtiger Gegenstände festgenommen. Nur Minuten später explodiert im Münchner Bürgerbräukeller unmittelbar hinter dem Pult, an dem Hitler seine Jubiläumsrede hielt, eine Bombe und reißt acht Menschen in den Tod.“ Hitler war nicht darunter, denn er hatte das Lokal 13 Minuten zuvor verlassen. Elser kommt nach Sachsenhausen und Dachau in KZ-Haft und wird auf Befehl Hitlers am 9. April 1945 hingerichtet. „Wer war dieser Mann, der aus einfachen Verhältnissen kam, der aber die Gefahr, die von Hitler ausging, deutlicher erkannte als die meisten anderen? Der bereit war zu handeln, als diese anderen mitliefen oder schwiegen? Regisseur Oliver Hirschbiegel und die Autoren Fred und Léonie-Claire Breinersdorfer erzählen die packende Geschichte eines Handwerkers, der trotz schwerster innerer Konflikte in Kauf nahm, durch seine Tat auch andere Menschen zu töten als denjenigen, dem sie eigentlich galt.“ „Elser“ (BRD 2015), ARD, 20.15 Uhr.
  • Auf Phoenix läuft um 20.15 Uhr der erste Teil der Reihe „Superbauten der Geschichte“: „Der Reichstag“.
  • Die Firma Frosta ist für ihre Tiefkühlprodukte recht bekannt. Die Geschichte hinter dem Unternehmen erzählt „Unsere Geschichte – Made in Norddeutschland“ um 21 Uhr im NDR. „Frosta: Vom Fischdampfer zum Fertiggericht“.

Donnerstag, 15. März

  • „Der Untergang“ (BRD 2004, Regie: Oliver Hirschbiegel), die filmische Rekonstuktion der letzten Tage im Führerbunker, läuft auf 3sat um 22.25 Uhr.
  • Im SWR geht es spät abends um Filmgeschichte. Zunächst wird um 23.15 Uhr Carl Laemmle vorgestellt, ein oberschwäbischer Jude. Der Hollywood gründete und deshalb als bedeutender Filmpionier gilt. „Historiker, Filmexperten und Nachfahren würdigen in dieser Spurensuche seine Rolle für das Kino von heute. Wenig bekannt ist dabei die Tatsache, dass Laemmle mit Bürgschaften hunderte von Juden vor den Nazis rettete.“ „Carl Laemmle – Ein Leben wie im Kino“. — Um 0.45 Uhr folgt „100 Jahre UFA – Im Maschinenraum des deutschen Films“.

Freitag, 16. März

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