Weihnachten

Nachdem ich in zwei Beiträgen auf das Sankt Martins-Fest und den Nikolaus eingegangen bin, darf natürlich eine historische Schau auf das Weihnachtsfest selbst nicht fehlen.

Der religiöse Kern des Festes, die Geburt Jesu, dürfte hinlänglich bekannt sein und kann im Lukasevangelium 2, 1–20 nachgelesen werden.

Es stellt sich aber durchaus die Frage, warum dieses Geburtstagsfest am 25. Dezember gefeiert wird. „Am 25. Dezember?“ mag manch einer irritiert fragen. „Die Geschenke gibt es doch schon am 24.!“ Das liegt an der kirchlichen Tradition, ein hohes Fest bereits am Vorabend zu beginnen – in Anlehnung an die jüdische Tradition, wonach sich ein Tag von Sonnenuntergang zu Sonnenuntergang erstreckt. So ist der 24. Dezember der „Heilige Abend“, eben der Vorabend des Weihnachtstages. Eigentlich sollten die Weihnachtsgottesdienste an Heilig Abend daher erst zu später Stunde gefeiert werden, finden aber häufig schon am späten Nachmittag statt. Der Abend des 24. Dezember, der Heilige Abend, ist also eigentlich nur der Beginn des 25. Dezembers, des eigentlichen Weihnachtstages.

Aber warum ausgerechnet der 25. Dezember? Die biblischen Weihnachtsgeschichten geben wenig konkrete Hinweise auf das Datum der Geburt Jesu. Da die Hirten mit ihren Herden im Freien nächtigten, konnte eigentlich nur ein Termin zwischen Frühjahr und Herbst in Frage kommen, da es in Judäa für Mensch und Tier im Winter draußen zu kalt ist. Daher datierten die Christen in den ersten Jahrhunderten die Geburt Jesu auf verschiedene Termine in diesem Zeitraum. Gefeiert wurde das Weihnachtsfest aber nicht, andere Feste waren wichtiger.

Erste kirchliche Bestrebungen, das Fest der Geburt Christi am 25. Dezember zu feiern, gehen einher mit der Einführung eines heidnischen Sonnenfestes im 3. Jahrhundert, die Geburt des sol invictus, der unbesiegten Sonne durch den römischen Kaiser Heliogabalus. Dieser war ein Anhänger des Sonnengottes Elagabal. Um diesen Gott zu ehren, bestimmte der Kaiser den 25. Dezember zum Festtag. Es ist in etwa der Tag der Wintersonnenwende, also des kürzesten Tages und der längsten Nacht des Jahres. Von da an werden die Tage wieder länger, gleichsam eine Wiedergeburt der Sonne. Daher war dieses Datum ideal, um die Geburt des Sonnengottes zu feiern. Christliche Bischöfe und Theologen setzten nun als Gegenpol zu den offiziellen staatlichen sol invictus-Feiern das Fest der Geburt Jesu. In den Evangelien wird Jesus als das „Licht der Welt“ bezeichnet, so dass sich ein Anknüpfungspunkt an das staatliche Fest leicht finden ließ. Statt des heidnischen Sonnengottes sollte am Tag der Wintersonnenwende die Geburt des wahren Lichts der Welt von den Christen gefeiert werden. Hinzu kam, dass an eben jenem 25. Dezember im römischen Reich weitere Feste verbreitet waren. So z. B. die Saturnalien oder der damals weit verbreitete ägypische Isis-Kult, der an diesem Tag die Geburt des Horus, eines göttlichen Kindes der Isis beging. Auch hierzu stellte die Geburt Jesu eine Parallele dar, die es nahe legte, den 25. Dezember als Geburtstermin zu übernehmen. Es dauerte noch eine lange Zeit, bis das christliche Weihnachtsfest die anderen Feste des 25. Dezember abgelöst hatte. Erst mit der Einführung des Christentums als offizielle Staatsreligion unter Kaiser Konstantin setzte sich das Weihnachtsfest im 4. Jahrhundert langsam gegenüber der „Konkurrenz“ durch. Es hat sicher noch einige weitere Gründe gegeben, warum das Weihnachtsfest letztlich auf den 25. Dezember festgesetzt wurde und auch innerkirchlich dauerte es einige Zeit, bis es sich als Fest im Kirchenjahr durchgesetzt hatte.

Mit dem Weihnachtstag sind in der Geschichte eine ganze Reihe von wichtigen Ereignissen verknüpft. Einige fanden eher zufällig an Weihnachten statt wie Geburten und Todesfälle von mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten. Andere haben einen direkten Bezug zum Weihnachtsfest. So war im Mittelalter der 25. Dezember ein beliebter Krönungstag. Am bekanntesten ist die Kaiserkrönung Karls des Großen an Weihnachten des Jahres 800 in Rom.

Kaiserkrönung Karls des Großen an Weihnachten des Jahres 800

Kaiserkrönung Karls des Großen an Weihnachten des Jahres 800

(Grandes Chroniques de France, enluminées par Jean Fouquet, Tours,
vers 1455-1460 Paris, BnF, département des Manuscrits, Français 6465,
fol. 89v. [Second Livre de Charlemagne]; Lizenz: gemeinfrei)

Danach fanden viele weitere Krönungsakte am 25. Dezember statt. Auf den Tag genau 75 Jahre nach Karl dem Großen wurde auch sein Enkel Karl der Kahle in Rom zum Kaiser gekrönt. 967 wurde Otto II. vom Papst zum Mitkaiser seines Vaters Otto I. gekrönt. Dessen Sohn Otto III. wurde wiederum an Weihnachten 983 in Aachen zum deutschen König gekrönt. Weihnachten 1046 brachte sogar das Novum, dass ein neuer Papst nach langen kirchenpolitischen Wirren gewählt wurde, der am gleichen Tag Heinrich III. zusammen mit seiner Frau zu Kaiser und Kaiserin krönte. Als letztes Beispiel sei noch Wilhelm der Eroberer genannt, der 1066 an Weihnachten in London zum König von England gekrönt wurde. Dieser hohe Festtag war also ein sehr passender Rahmen für die Inthronisierung von Königen und Kaisern durch die Kirche. Es gab auch noch einen weiteren Grund, warum diese Krönungen gerade an Weihnachten erfolgte. Ich werde in einem weiteren Beitrag in ein paar Tagen darauf eingehen.

Und wo wir zuletzt gerade in England waren: 1647 war die Feier des Weihnachtsfestes durch ein Parlamentsbeschluss verboten. Einige reformatorische Gruppen lehnten damals (wie heute) das Weihnachtsfest als im Kern heidnische Tradition ab. In England hatten die Puritaner im englischen Bürgerkrieg unter Oliver Cromwell dies per Gesetz im ganzen Land umgesetzt, die Märkte und Geschäfte sollten geöffnet haben. Da dies nicht überall widerspruchslos hingenommen wurde, gab es auch gewaltsame Auseinandersetzungen um das Weihnachtsfest. Diese sehr fundamentale Haltung zu Weihnachten hat sich im Protestantismus aber nicht durchgesetzt (1660 wurde das Verbot aufgehoben), so dass das Weihnachtsfest heute nicht mehr von innerkirchlichen Grundsatzdebatten in Frage gestellt wird.

Ich wünsche jedenfalls allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest!

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