{"id":795,"date":"2011-01-12T15:14:15","date_gmt":"2011-01-12T14:14:15","guid":{"rendered":"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/?p=795"},"modified":"2011-01-12T15:18:53","modified_gmt":"2011-01-12T14:18:53","slug":"familiennamen-an-niederrhein-und-maas","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/2011\/01\/12\/familiennamen-an-niederrhein-und-maas\/","title":{"rendered":"Familiennamen an Niederrhein und Maas"},"content":{"rendered":"<div>In der Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie ist der inzwischen 9. Band zum Jahresende 2010 erschienen:<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div style=\"margin-left: 40px;\"><span style=\"font-size: 14px;\"><em>Cornelissen, Georg; Eickmans, Heinz (Hrsg.), Familiennamen an Niederrhein und Maas. Von Angenendt bis Seegers\/Zeegers. Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie. 9, Bottrop 2010.<\/em><\/span><\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Cornelissen, Eickmans (Hg_) 2010 \u2013 Familiennamen an Niederrhein und Maas - Titelbild(1).png\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Cornelissen-Eickmans-Hg.-2010-\u2013-Familiennamen-an-Niederrhein-und-Maas-Titelbild.png\" style=\"max-width: 800px;\" \/><br \/>\n\t<\/a><\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Ich m&ouml;chte ihn an dieser Stelle etwas ausf&uuml;hrlicher besprechen, da er eine breite Leserschaft &ndash; von Wissenschaftlern unterschiedlichster Fachgebiete bis zu interessierten &quot;Laienforschern&quot; und Ahnenforschern &ndash; anspricht.<\/div>\n<div><!--more--><\/div>\n<div>Die <strong>Niederrhein-Akademie<\/strong>, in deren Schriftenreihe der Band erscheint, wurde auf Initiative der ehemaligen Universit&auml;t Duisburg gegr&uuml;ndet. Da die Niederrhein-Region im Vergleich zu den anderen deutschen Landschaften noch relativ wenig untersucht ist, stellt sich die Akademie die Aufgabe, die Geschichte und Kultur (im umfassenden Sinn) dieser Landschaft in interdisziplin&auml;rer Zusammenarbeit der beteiligten F&auml;cher zu erforschen und darzustellen. N&auml;here Informationen gibt es auf den beiden Homepages der Niederrhein-Akademie (<a href=\"http:\/\/www.uni-due.de\/~se753pa\/inkur\/NAAN\" target=\"_blank\">alte Homepage<\/a> \/ <a href=\"http:\/\/www.uni-due.de\/naan\" target=\"_blank\">neue Homepage<\/a>). Die Arbeit der Niederrhein-Akademie erfolgt im Wesentlichen in Vortr&auml;gen, Tagungen und Publikationen. Die Fr&uuml;chte dieser Arbeit werden in einer j&auml;hrlich erscheinenden Schriftenreihe einer breiten &Ouml;ffentlichkeit zug&auml;nglich gemacht, Mitglieder der Niederrhein-Akademie erhalten sie in Form einer <a href=\"http:\/\/www.uni-due.de\/inkur\/jahresgaben.php\" target=\"_blank\">Jahresgabe<\/a>, alle anderen im &ouml;ffentlichen Buchhandel.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Die Jahresgabe 2010, die kurz vor Jahresende erschienen ist, stellt ein sch&ouml;nes Beispiel der Arbeit der Akademie dar. Es handelt sich um die Ver&ouml;ffentlichung einer <strong>Tagung der Niederrhein-Akademie<\/strong>, die am <strong>17. November 2007<\/strong> im B&uuml;rgerforum in <strong>Geldern<\/strong> stattfand. Thema waren die <strong>Familiennamen an Niederrhein und Maas<\/strong>. Dies ist zugleich auch der Titel des Tagungsbandes, den <strong>Georg Cornelissen<\/strong> und <strong>Heinz Eickmans<\/strong> herausgegeben haben und der alle Vortr&auml;ge der Tagung mit einer Vielzahl von Grafiken, Tabellen und Verbreitungskarten enth&auml;lt.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>In sieben Beitr&auml;gen &ndash; fast alle mit einem Anmerkungsapparat und Literaturverzeichnis versehen &ndash; werden die Familiennamen des Niederrheins von acht Autoren unter ganz unterschiedlichen Aspekten behandelt.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Der erste Beitrag von <strong>Ann Marynissen<\/strong> f&uuml;hrt unter dem Titel <strong>&quot;Ursprung, Motivierung und Bildung von Familiennamen am Beispiel des niederl&auml;ndischen Sprachgebiets&quot;<\/strong> in die Thematik der Familiennamenforschung ein (S. 11&ndash;35). Die Verfasserin gibt einen knappen &Uuml;berblick &uuml;ber die Grundfragen der Entstehung von Familiennamen im Laufe der Geschichte, besonders seit dem Mittelalter, und ihrer regionalen Besonderheiten. Anschlie&szlig;end erl&auml;utert sie, in welche Gruppen sich die Familiennamen im Wesentlichen gliedern lassen<span style=\"font-size: xx-small;\">:<\/span><\/div>\n<ul>\n<li>\n<div>Familiennamen aus Rufnamen,<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div>Berufs-, Amts- und Standesnamen,<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div>Wohnst&auml;ttennamen,<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div>Herkunftsnamen und<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div>&Uuml;bernamen.<\/div>\n<\/li>\n<\/ul>\n<div>In 14 Namenkarten werden im weiteren Verlauf die Verbreitung der h&auml;ufigsten Namensformen am Niederrhein pr&auml;sentiert. Ann Marynissen kommt zusammenfassend zu dem Ergebnis, dass die Bildung der Familiennamen im Rhein-Maas-Gebiet einige Besonderheiten aufweist, <em>&quot;die, vom niederl&auml;ndischen Sprachraum aus gesehen, in einem gr&ouml;&szlig;eren s&uuml;d&ouml;stlichen geographischen Kontext eingeordnet werden m&uuml;ssen.&quot;<\/em> (S. 33)<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Besonders praktisch ist, dass die Datengrundlage ihrer Studien f&uuml;r jedermann sehr einfach nachvollziehbar ist. Die Webseiten <a href=\"http:\/\/www.familienaam.be\" target=\"_blank\">www.familienaam.be<\/a> (f&uuml;r Belgien) und <a href=\"http:\/\/www.familienaam.nl\" target=\"_blank\">www.familienaam.nl<\/a> (f&uuml;r die Niederlande; diese Homepage war allerdings zum Zeitpunkt der Abfassung der Rezension nicht Abrufbar) bietet Verbreitungskarten f&uuml;r jeden gesuchten Namen.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Kraus-in-Belgien.png\" style=\"max-width: 800px;\" \/><\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Wie man an dem Beispiel sehen kann, kommt der Familienname KRAUS in Belgien 136 mal vor, am h&auml;ufigsten in der Stadt Antwerpen.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Der zweite Beitrag stammt von <strong>Rita Heuser<\/strong> und <strong>Damaris N&uuml;bling<\/strong>. Beide referierten &uuml;ber <strong>&quot;Von Angenendt &uuml;ber Derix, Janssen und Terlinden bis Elspa&szlig;. Niederrheinische Familiennamen im Rahmen des Deutschen Familiennamenatlasses&quot;<\/strong> (S. 37&ndash;66). Zu Beginn wird das Projekt <a href=\"http:\/\/www.familiennamenatlas.de\" target=\"_blank\">&quot;Deutscher Familiennamenatlas &ndash; Sprach- und kulturhistorische Untersuchungen des Familiennamenbestandes in Deutschland (DFA)&quot;<\/a> der Universit&auml;ten Freiburg und Mainz vorgestellt. Datengrundlage bilden hier 28 Millionen Festnetz-Telefonanschl&uuml;sse in Deutschland mit &uuml;ber 850 000 Familiennamen. Da die deutschen Familiennamen seit 500 Jahren fest sind, spiegeln sie einen &auml;lteren Sprachraum als den heutigen wider. Trotz aller Mobilit&auml;t der Bev&ouml;lkerung vor allem nach dem 2. Weltkrieg lassen sich die Kernzonen der Familiennamen aber gut in den Verbreitungskarten nachvollziehen. Da sich das Projekt zun&auml;chst auf den gesamten deutschen Sprachraum bezieht, sind langfristig &quot;Teilraumatlanten&quot; geplant, die regionale Namensentwicklungen &ndash; wie z. B. am Niederrhein &ndash; untersuchen sollen.<\/div>\n<div>Nun gehen die Autoren konkret auf die Namensverbreitung am Niederrhein ein, was sie mit einer gro&szlig;en Zahl an Verbreitungskarten dokumentieren. So wird beispielsweise deutlich, dass der Familienname &quot;Otten&quot; in der Aachener Gegend am h&auml;ufigsten gef&uuml;hrt wird, er aber eine ebenfalls recht gro&szlig;e Verbreitung in Ostfriesland aufweist. Oder dass der so typisch niederrheinische Name &quot;Scholten&quot; in den Kreisen Kleve und Wesel am weitesten verbreitet ist, aber in der Grafschaft Bentheim einen zweiten Schwerpunkt aufweist. Sehr ausf&uuml;hrlich gehen die Autoren u. a. auf Lautung, Schreibung und Formenbildung der niederrheinischen Familiennamen ein und kommen, &auml;hnlich wie Ann Marynissen zu dem Ergebnis: <em>&quot;Die niederrheinische Familiennamenlandschaft zeichnet sich auf allen Ebenen durch Besonderheiten aus.&quot;<\/em> (S. 62)<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div><strong>Georg Cornelissen<\/strong> stellt mit seinem Beitrag die Frage: <strong>&quot;Wie schreibt sich Seegers\/Zeegers? Einheimische Familiennamen beiderseits der Staatsgrenze zwischen Arnheim und Krefeld&quot;<\/strong> (S. 67&ndash;81). Gleich zu Beginn stellt er fest: <em>&quot;Die einheimischen Familiennamen an beiden Seiten der Staatsgrenze &auml;hneln sich sehr, durchschneidet die heutige Staatsgrenze doch eine alte Namenlandschaft.&quot;<\/em> (S. 67) In seinem Aufsatz untersucht Cornelissen nun die Entwicklung der Namenlandschaft des Niederrheins in den Provinzen Gelderland und Limburg einerseits und auf deutscher Seite andererseits. Auch hier bilden Telefonb&uuml;cher (in diesem Fall der Jahre 2003 und 2006) die Datengrundlage. Am Beispiel Kleves wird deutlich, wie sehr der niederrheinische Familiennamenbestand, der sich mit denen der niederl&auml;ndischen Nachbarregionen deckt, gegen&uuml;ber den sonstigen deutschen Familiennamen dominiert. So stehen an erster Stelle die Namen Janssen, Peters, Jansen und Hendricks, bevor die ansonsten typischsten deutschen Nachnamen M&uuml;ller, Schmidt und Meyer folgen. Im Vergleich mit anderen niederrheinischen St&auml;dten (Emmerich, Krefeld und Viersen) wird deutlich, dass sich die H&auml;ufigkeit der Namen signifikant &auml;ndert, je weiter man nach S&uuml;den gelangt. Der so typisch rheinl&auml;ndische Name Schmitz, der in Kleve erst an achter Stelle rangiert, liegt in Emmerich auf Rang sechs, in Krefeld und Viersen an erster Stelle. Auch der Vergleich zwischen Gelderland und Limburg l&auml;sst ein Nord-S&uuml;d-Gef&auml;lle erkennen. Nun erl&auml;utert Cornelissen diverse typische Namen und veranschaulicht ihre Verbreitung mit Karten (Janssen\/Jansen, Hendricks, Schmitz, Hermans und Timmermann, Seegers und Zegers, M&ouml;lders, Theunissen und Th&ouml;nnissen sowie Verhoeven). Abschlie&szlig;end wird nochmals deutlich, dass es sowohl am Niederrhein als auch in Geldern und Limburg ein Nord-S&uuml;d-Gef&auml;lle der Familiennamen und ~namensformen gibt. Der s&uuml;dliche Niederrhein &quot;<em>f&uuml;gt sich besser als der Norden ins deutsche Sprachgebiet ein. Der untere Niederrhein um Kleve und Geldern sticht davon durch seinen Namenbestandund durch die regionale und niederl&auml;ndische Kolorierung der Familiennamen deutlich ab.&quot;<\/em> (S. 80) Er kommt zu dem Schluss: <em>&quot;Die Sprachgeschichte des S&uuml;dens ist ganz anders verlaufen als die des Nordens.&quot;<\/em> (S. 80)<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Der n&auml;chste Aufsatz von <strong>Robert Damme<\/strong> wendet sich dem &ouml;stlich an den Niederrhein grenzenden westf&auml;lischen Raum zu: <strong>&quot;Familiennamengeografie im Internet am Beispiel des Internetportals &#39;Westf&auml;lische Familiennamengeografie&#39;.&quot;<\/strong> (S. 83&ndash;92). Vorgestellt wird das <a href=\"http:\/\/www.lwl.org\/LWL\/Kultur\/komuna\/online_projekte\/familiennamengeografie\" target=\"_blank\">Internetportal Familiennamengeographie<\/a> der &quot;Kommission f&uuml;r Mundart- und Namenforschung Westfalens&quot; des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Seit 2006 bietet sich hier die M&ouml;glichkeit, &auml;hnlich wie den bereits erw&auml;hnten belgischen und niederl&auml;ndischen Websites, die Verbreitung eines Namens in Westfalen auf Grundlage der Telefondaten der Deutschen Telekom des Jahres 2005 zu kartieren. Bei der Umsetzung des Projektes stellten sich vor allem datenschutzrechtliche Probleme. Die Telekom durfte nur Telefondaten zur Verf&uuml;gung stellen, die keinesfalls einen R&uuml;ckschluss auf einzelne Anschlussinhaber erlaubten. Nach l&auml;ngeren Verhandlungen konnte dieses Problem gel&ouml;st werden. Nun mussten noch Doppel-, Fax- und Firmeneintr&auml;ge sowie Mobilfunkeitr&auml;ge entfernt werden, ehe der Datenbestand f&uuml;r das Projekt nutzbar war. Bewusst hat man sich bei der Erstellung der Website an den beiden belgischen bzw. niederl&auml;ndischen Vorbildern orientiert, aber auch versucht, Verbesserungen vorzunehmen. So ist eine absolute und relative Kartierung der Namen m&ouml;glich, was der Tatsache Rechnung tr&auml;gt, dass Namen naturgem&auml;&szlig; in Ballungsr&auml;umen und Gro&szlig;st&auml;dten absolut h&auml;ufiger vertreten sind als in d&uuml;nner besiedelten Regionen. Die Unterschiede kann man wiederum an dem Beispiel meines Namens gut erkennen:<\/div>\n<div>Zun&auml;chst die absolute Verteilung mit Schwerpunkten in Dortmund, Bochum und Siegen:<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" height=\"336\" src=\"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Kraus-in-Westfalen-absolut.png\" style=\"max-width: 800px;\" width=\"500\" \/><\/div>\n<div>Und hier die relative Darstellung mit Schwerpunkten im Sauer- und Siegerland, w&auml;hrend die H&auml;ufung in Dortmund und Bochum sich wieder relativieren:<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" height=\"336\" src=\"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Kraus-in-Westfalen-relativ.png\" style=\"max-width: 800px;\" width=\"500\" \/><\/div>\n<div>Zus&auml;tzlich lassen sich die Ergebnisse auch in einer Tabelle ausgeben. Das Ganze kann als pdf-Datei gespeichert werden.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Da das Projekt anf&auml;nglich noch einige technische Unzul&auml;nglichkeiten aufwies (so war die Kartendarstellung auf dem Firefox-Browser nicht m&ouml;glich und die Internet Explorer-Anwender mussten ein Plugin installieren), war die anf&auml;ngliche Reaktion nicht so positiv wie erhofft. Seit Ende 2008 ist nun eine verbesserte zweite Version ins Netz gestellt, die diese Hindernisse beseitigt. Nun kann jeder die Verbreitung seines Familiennamens in Westfalen nachvollziehen.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div><strong>Hans Taubken<\/strong> stellt in seinem Aufsatz seine Forschungen <strong>&quot;Zu einigen westf&auml;lischen Familiennamentypen&quot;<\/strong> vor (S. 93&ndash;105). Grundlage seiner Untersuchungen sind Telefonbucheintr&auml;ge des Jahres 1997, die in den Jahren 2003 bis 2005 ausgewertet und in mehr als 120 handgezeichnete Kartenentw&uuml;rfe &uuml;bertragen wurden. Mit der Fertigstellung des Internetportals Westf&auml;lische Familiennamengeographie sind die Recherchem&ouml;glichkeiten um einiges erweitert worden. Diese aktuelle Auswertung des Namensbestandes l&auml;sst sich nun mit historischen Quellen vergleichen. In Westalen ist man <em>&quot;in der gl&uuml;cklichen Lage, einen fast fl&auml;chendeckenden historischen Horizont legen zu k&ouml;nnen, der 400 bis 500 Jahre zur&uuml;ckliegt.&quot;<\/em> (S. 94) So kann man die historische Namensituation des 15.\/16. Jahrhunderts mit dem rezenten Befund vergleichen. An einzelnen Beispielen illustriert Taubken im Weiteren diese Vergleichsm&ouml;glichkeit. So wurde bereits 1966 festgestellt, dass Hofnamen Ende des 15. Jahrhunderts im westlichen Westfalen h&auml;ufiger auf -ing endeten, im &ouml;stlichen Westfalen dagegen auf -man(n). Auch heute noch kann man sehen, dass im westlichen M&uuml;nsterland die -ing-Endung typisch ist und sich auf niederl&auml;ndischer Seite fortsetzt. Ein anderes Beispiel ist die Verbreitung der Namen &quot;Schulte&quot; und &quot;Meier&quot;. W&auml;hrend erste Namenform im westlichen Landesteil &uuml;berwiegt, liegt der zweite im &ouml;stlichen deutlich vorn. Nach einigen weiteren Beispielen f&uuml;r die Aussagem&ouml;glichkeit der historischen Namenforschung mittels Verbreitungskarten kommt Taubken zu dem Ergebnis: Die Untersuchungen zur westf&auml;lischen Familiennamengeographie stehen zwar erst am Anfang, aber: <em>&quot;Die Familiennamenlandschaften sind so buntscheckig wie die Mundartlandschaften in der Zeit der Entstehung der Familiennamen. Das ist in Westfalen genauso wie am Niederrhein.&quot;<\/em> (S. 105)<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div><strong>Veit Elmar Neu&szlig;<\/strong> besch&auml;ftigt sich mit <strong>&quot;Familiennamen und Genealogie&quot;<\/strong> (S. 107&ndash;121). W&auml;hrend die ersten Beitr&auml;ge sich der Namenforschung generell und der Namenverbreitung am Niederrhein und den angrenzenden Gebieten gewidmet haben, wendet sich dieser Aufsatz einer besonderen Seite der Besch&auml;ftigung mit Familiennamen zu: der Bedeutung f&uuml;r die Genealogie und die praktische Zusammenarbeit zwischen &quot;Profis&quot; und &quot;Laien&quot;, die sich in diesem Punkt ihrer Forschungen ber&uuml;hren. Es geht dem Verfasser in dem Beitrag <em>&quot;um allerlei &Uuml;berlegungen zwischen den F&auml;chern und um Beobachtungen, die der Vortragende &uuml;ber die Jahre in verschiedenen Rollen zwischen diesen F&auml;chern, gleichsam als &#39;Wanderer zwischen den Welten&#39;, gemacht hat.&quot;<\/em> Konkret geht Neu&szlig; zun&auml;chst auf das Verh&auml;ltnis der unterschiedlichen Disziplinen &quot;Namenkundler&quot; &ndash; &quot;Genealogen&quot; &ndash; &quot;Landesgeschichtler&quot; ein, um anschlie&szlig;end das oftmals heikle Verh&auml;ltnis der Profi-Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu Laienforschern und Laienforscherinnen. In seinem Fazit kommt Neu&szlig; zu dem Schluss, dass die Familiennamenforschung, Genealogie und Landesgeschichte aufeinander verwiesen sind und sich dies auch im Verh&auml;ltnis von &quot;Fachleuten&quot; und &quot;Laien&quot; ausdr&uuml;cken sollte.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Der letzte Beitrag stammt von <strong>Heinz Eickmans<\/strong> und betrachtet das Tagungsthema unter einem v&ouml;llig anderen Aspekt: <strong>&quot;Namen in Romanen. Zur literarischen Verwendung regionaltypischer Personennamen im Werk niederrheinischer Autoren&quot;<\/strong> (S. 123&ndash;139). Anhand der literarischen Werke bekannter niederrheinischer Autoren wie Joseph von Lauff, Qtto Br&uuml;es, Johannes Derksen und Hanns Dieter H&uuml;sch untersucht der Verfasser die Verwendung der Personennamen. Zun&auml;chst fragt er nach den Formen und Funktionen literarischer Namen. Als Formen kann Eickmans redende Namen, klassifizierende Namen, klangsymbolische Namen und verk&ouml;rperte Namen benennen. Diese Formen werden wiederum mit unterschiedlicher Absicht von den Autoren eingesetzt. Eickmans z&auml;hlt hierbei die Identifizierung, Fiktionalisierung bzw. Illusionierung, Charakterisierung, Akzentuierung und &Auml;sthetisierung sowie die Mythisierung auf. Nach diesen grundlegenden &Uuml;berlegungen wendet sich Eickmans dann den konkreten literarischen Werken der o. g. Autoren zu und analysiert sie unter den im ersten Abschnitt erarbeiteten Fragestellung. In seinem Res&uuml;mee w&uuml;nscht Eickmans die Ausweitung solcher Studien z. B. auf die aktuell sehr beliebten Niederrhein-Kriminalromane: <em>&quot;Ausgehend von den hier pr&auml;sentierten Ergebnissen w&auml;re es sicherlich interessant, in einer weiteren Untersuchung auch die literarische Namengebung dieser neuen &#39;Heimatromane&#39; unserer Zeit einer entsprechenden Analyse zu unterziehen und sie mit dem Namengebrauch der traditionellen Niederrhein-Literatur zu vergleichen.&quot;<\/em> (S. 137)<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Abgerundet wird der Vortragsband mit einem <strong>&quot;Register der Familiennamen&quot;<\/strong> und einem <strong>Kartenverzeichnis<\/strong>, die die praktische Nutzung des Bandes sehr vereinfachen, sowie mit einem <strong>Abbildungsverzeichnis<\/strong> und <strong>Kurzbiographien der Autoren<\/strong>.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Besonders zu loben ist m. E. die Vielzahl von Grafiken, Tabellen, Abbildungen und Karten (64 St&uuml;ck, in einem Kartenverzeichnis gut erschlossen) in hervorragender Druckqualit&auml;t, die den Band bei dem Verkaufspreis von 18 Euro auszeichnen.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Die Tagung und mit ihr dieser Tagungsband f&uuml;hren in ein eher selten behandeltes Spezialthema, das sowohl Fachwissenschaftler als auch Laienforscher und besonders Familienforscher interessieren d&uuml;rfte. Der Aufbau der Beitr&auml;ge verhilft auch dem unkundigen Leser zu einem Grundverst&auml;ndnis der Namenforschung, so dass anschlie&szlig;end regionale Studien in Bezug auf den Niederrhein und seine angrenzenden Landschaften einen Einblick in Fragestellungen und Aussagem&ouml;glichkeiten dieser Forschungsrichtung bieten. Die konkreten Verweise auf Internetportale erm&ouml;glichen es dem interessierten Leser, selbst auf &quot;Entdeckungsreise&quot; zu gehen und die Verbreitung beliebiger Familiennamen in Belgien, den Niederlanden oder Westfalen zu erkunden. Hier w&auml;re lediglich ein Hinweis auf eine entsprechende Homepage, die ein deutschlandweites Suchen erm&ouml;glicht (z. B. <em>Geogen<\/em> &ndash; s. u.) w&uuml;nschenswert gewesen, zumal auf der Tagung diese Seite zumindest beil&auml;ufig vorgestellt wurde.<\/div>\n<div>Einzelne Beitr&auml;ge erschlie&szlig;en die Namenforschung als Hilfsmittel f&uuml;r Geschichtsforschung und Literaturwissenschaft. Alles in allem ein sehr anregender Band, der rundweg zu begr&uuml;&szlig;en ist.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Auch wenn man nicht an der Tagung teilgenommen hat, wird man Gewinn aus den Aufs&auml;tzen ziehen, sofern man sich f&uuml;r das Familiennamengut des Niederrheins und dar&uuml;ber hinaus &ndash; buchst&auml;blich <strong>&quot;Von Angenendt bis Seegers\/Zeegers&quot;<\/strong> (wie der Untertitel des Bandes lautet) &ndash; interessiert. Zu bem&auml;ngeln ist eigentlich nur, dass ein h&auml;ufig erw&auml;hnter Internetlink derzeit nicht erreichbar ist.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Nochmals die bibliographischen Angaben:<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div><em>Cornelissen, Georg; Eickmans, Heinz (Hrsg.), Familiennamen an Niederrhein und Maas. Von Angenendt bis Seegers\/Zeegers. Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie. 9, Bottrop 2010 (ISBN 978-3893552634, Pomp-Verlag, broschiert, 160 Seiten, 18,- Euro).<\/em><\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Wer sich weitergehend mit dem Thema der Namenforschung befassen m&ouml;chte und eine handliche Einf&uuml;hrung sucht, sei auf<\/div>\n<ul>\n<li>\n<div><em>Konrad Kunze, dtv &ndash; Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet, M&uuml;nchen 1999<br \/>\n\t\t\t<\/em><\/div>\n<\/li>\n<\/ul>\n<div>verwiesen, den es seit 2005 auch in elektronischer Form gibt:<\/div>\n<ul>\n<li>\n<div><em>Kunze, Konrad (Kompon.) 2005. Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. Berlin Directmedia-Publ.<\/em><\/div>\n<\/li>\n<\/ul>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Wie in der Rezension schon deutlich wurde, lassen sich die Verbreitung von Familiennamen inzwischen auf diversen Internetseiten gut nachvollziehen. Das erw&auml;hnte Projekt &quot;Familiennamenatlas&quot; hat eine <a href=\"http:\/\/www.igl.uni-mainz.de\/fileadmin\/user_upload\/files\/forschung\/familiennamenatlas\/Liste_Online.pdf\" target=\"_blank\">Liste solcher Homepages<\/a> ins Netz gestellt.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>&Auml;hnlich wie das Internetportal &#39;Westf&auml;lische Familiennamengeografie&#39; bietet die Seite <a href=\"http:\/\/christoph.stoepel.net\/geogen\/v3\" target=\"_blank\">Geogen<\/a> von Christoph St&ouml;pel eine Namenkartierung f&uuml;r das gesamte Bundesgebiet.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie ist der inzwischen 9. Band zum Jahresende 2010 erschienen: &nbsp; Cornelissen, Georg; Eickmans, Heinz (Hrsg.), Familiennamen an Niederrhein und Maas. Von Angenendt bis Seegers\/Zeegers. 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