{"id":630,"date":"2010-12-24T11:56:23","date_gmt":"2010-12-24T10:56:23","guid":{"rendered":"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/?p=630"},"modified":"2010-12-25T11:52:32","modified_gmt":"2010-12-25T10:52:32","slug":"weihnachten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/2010\/12\/24\/weihnachten\/","title":{"rendered":"Weihnachten"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem ich in zwei Beitr\u00e4gen auf das <a href=\"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/?p=454\" target=\"_blank\">Sankt Martins-Fest<\/a> und den <a href=\"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/?p=565\" target=\"_blank\">Nikolaus<\/a> eingegangen bin, darf nat\u00fcrlich eine historische Schau auf das Weihnachtsfest selbst nicht fehlen.<\/p>\n<div>Der <strong>religi\u00f6se Kern<\/strong> des Festes, die Geburt Jesu, d\u00fcrfte hinl\u00e4nglich bekannt sein und kann im <a href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/index.php?mode=text&amp;ref=Lk2,1%C3%A2%E2%82%AC%E2%80%9C20&amp;trl_desig=EU&amp;language=de&amp;gw=go#\/text\/EU\/Lukas2\" target=\"_blank\">Lukasevangelium 2, 1\u201320<\/a> nachgelesen werden.<\/div>\n<div>\n<p>Es stellt sich aber durchaus die Frage, warum dieses Geburtstagsfest am <strong>25. Dezember<\/strong> gefeiert wird. <em><!--more-->&#8222;Am 25. Dezember?&#8220;<\/em> mag manch einer irritiert fragen. <em>&#8222;Die Geschenke gibt es doch schon am 24.!&#8220;<\/em> Das liegt an der kirchlichen Tradition, ein hohes Fest bereits am Vorabend zu beginnen \u2013 in Anlehnung an die j\u00fcdische Tradition, wonach sich ein Tag von Sonnenuntergang zu Sonnenuntergang erstreckt. So ist der 24. Dezember der &#8222;Heilige Abend&#8220;, eben der Vorabend des Weihnachtstages. Eigentlich sollten die Weihnachtsgottesdienste an Heilig Abend daher erst zu sp\u00e4ter Stunde gefeiert werden, finden aber h\u00e4ufig schon am sp\u00e4ten Nachmittag statt. Der Abend des 24. Dezember, der Heilige Abend, ist also eigentlich nur der Beginn des 25. Dezembers, des eigentlichen Weihnachtstages.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Aber <strong>warum ausgerechnet der 25. Dezember?<\/strong> Die biblischen Weihnachtsgeschichten geben wenig konkrete Hinweise auf das Datum der Geburt Jesu. Da die Hirten mit ihren Herden im Freien n\u00e4chtigten, konnte eigentlich nur ein Termin zwischen Fr\u00fchjahr und Herbst in Frage kommen, da es in Jud\u00e4a f\u00fcr Mensch und Tier im Winter drau\u00dfen zu kalt ist. Daher datierten die Christen in den ersten Jahrhunderten die Geburt Jesu auf verschiedene Termine in diesem Zeitraum. Gefeiert wurde das Weihnachtsfest aber nicht, andere Feste waren wichtiger.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>Erste kirchliche Bestrebungen<\/strong>, das Fest der Geburt Christi am 25. Dezember zu feiern, gehen einher mit der Einf\u00fchrung eines heidnischen Sonnenfestes im 3. Jahrhundert, die Geburt des <em>sol invictus<\/em>, der unbesiegten Sonne durch den r\u00f6mischen Kaiser Heliogabalus. Dieser war ein Anh\u00e4nger des Sonnengottes Elagabal. Um diesen Gott zu ehren, bestimmte der Kaiser den 25. Dezember zum Festtag. Es ist in etwa der Tag der Wintersonnenwende, also des k\u00fcrzesten Tages und der l\u00e4ngsten Nacht des Jahres. Von da an werden die Tage wieder l\u00e4nger, gleichsam eine Wiedergeburt der Sonne. Daher war dieses Datum ideal, um die Geburt des Sonnengottes zu feiern. Christliche Bisch\u00f6fe und Theologen setzten nun als Gegenpol zu den offiziellen staatlichen <em>sol invictus<\/em>-Feiern das Fest der Geburt Jesu. In den Evangelien wird Jesus als das &#8222;Licht der Welt&#8220; bezeichnet, so dass sich ein Ankn\u00fcpfungspunkt an das staatliche Fest leicht finden lie\u00df. Statt des heidnischen Sonnengottes sollte am Tag der Wintersonnenwende die Geburt des wahren Lichts der Welt von den Christen gefeiert werden. Hinzu kam, dass an eben jenem 25. Dezember im r\u00f6mischen Reich weitere Feste verbreitet waren. So z. B. die Saturnalien oder der damals weit verbreitete \u00e4gypische Isis-Kult, der an diesem Tag die Geburt des Horus, eines g\u00f6ttlichen Kindes der Isis beging. Auch hierzu stellte die Geburt Jesu eine Parallele dar, die es nahe legte, den 25. Dezember als Geburtstermin zu \u00fcbernehmen. Es dauerte noch eine lange Zeit, bis das christliche Weihnachtsfest die anderen Feste des 25. Dezember abgel\u00f6st hatte. Erst mit der Einf\u00fchrung des Christentums als offizielle Staatsreligion unter Kaiser Konstantin setzte sich das Weihnachtsfest im 4. Jahrhundert langsam gegen\u00fcber der &#8222;Konkurrenz&#8220; durch. Es hat sicher noch einige weitere Gr\u00fcnde gegeben, warum das Weihnachtsfest letztlich auf den 25. Dezember festgesetzt wurde und auch innerkirchlich dauerte es einige Zeit, bis es sich als Fest im Kirchenjahr durchgesetzt hatte.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Mit dem Weihnachtstag sind in der Geschichte eine ganze <strong>Reihe von wichtigen Ereignissen<\/strong> verkn\u00fcpft. Einige fanden eher zuf\u00e4llig an Weihnachten statt wie Geburten und Todesf\u00e4lle von mehr oder weniger bekannten Pers\u00f6nlichkeiten. Andere haben einen direkten Bezug zum Weihnachtsfest. So war im Mittelalter der 25. Dezember ein beliebter Kr\u00f6nungstag. Am bekanntesten ist die <strong>Kaiserkr\u00f6nung Karls des Gro\u00dfen<\/strong> an Weihnachten des Jahres 800 in Rom.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<div style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:Sacre_de_Charlemagne.jpg&amp;filetimestamp=20050628221059\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" \" title=\"Kaiserkr\u00f6nung Karls des Gro\u00dfen an Weihnachten des Jahres 800\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/3\/36\/Sacre_de_Charlemagne.jpg\" alt=\"Kaiserkr\u00f6nung Karls des Gro\u00dfen an Weihnachten des Jahres 800\" width=\"480\" height=\"436\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Kaiserkr\u00f6nung Karls des Gro\u00dfen an Weihnachten des Jahres 800<\/p><\/div>\n<\/div>\n<div>\n<pre>(Grandes Chroniques de France, enlumin\u00e9es par Jean Fouquet, Tours,\r\nvers 1455-1460 Paris, BnF, d\u00e9partement des Manuscrits, Fran\u00e7ais 6465,\r\nfol. 89v. [Second Livre de Charlemagne]; Lizenz: gemeinfrei)<\/pre>\n<p>Danach fanden viele weitere Kr\u00f6nungsakte am 25. Dezember statt. Auf den Tag genau 75 Jahre nach Karl dem Gro\u00dfen wurde auch sein Enkel Karl der Kahle in Rom zum Kaiser gekr\u00f6nt. 967 wurde Otto II. vom Papst zum Mitkaiser seines Vaters Otto I. gekr\u00f6nt. Dessen Sohn Otto III. wurde wiederum an Weihnachten 983 in Aachen zum deutschen K\u00f6nig gekr\u00f6nt. Weihnachten 1046 brachte sogar das Novum, dass ein neuer Papst nach langen kirchenpolitischen Wirren gew\u00e4hlt wurde, der am gleichen Tag Heinrich III. zusammen mit seiner Frau zu Kaiser und Kaiserin kr\u00f6nte. Als letztes Beispiel sei noch Wilhelm der Eroberer genannt, der 1066 an Weihnachten in London zum K\u00f6nig von England gekr\u00f6nt wurde. Dieser hohe Festtag war also ein sehr passender Rahmen f\u00fcr die Inthronisierung von K\u00f6nigen und Kaisern durch die Kirche. Es gab auch noch einen weiteren Grund, warum diese Kr\u00f6nungen gerade an Weihnachten erfolgte. Ich werde in einem weiteren Beitrag in ein paar Tagen darauf eingehen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Und wo wir zuletzt gerade in England waren: <a href=\"http:\/\/www.wissenschaft-aktuell.de\/artikel\/Weihnachtsverbot_in_England___vor_mehr_als_360_Jahren1771015586562.html\" target=\"_blank\">1647 war die <strong>Feier des Weihnachtsfestes durch ein Parlamentsbeschluss verboten<\/strong>.<\/a> Einige reformatorische Gruppen lehnten damals (wie heute) das Weihnachtsfest als im Kern heidnische Tradition ab. In England hatten die Puritaner im englischen B\u00fcrgerkrieg unter Oliver Cromwell dies per Gesetz im ganzen Land umgesetzt, die M\u00e4rkte und Gesch\u00e4fte sollten ge\u00f6ffnet haben. Da dies nicht \u00fcberall widerspruchslos hingenommen wurde, gab es auch gewaltsame Auseinandersetzungen um das Weihnachtsfest. Diese sehr fundamentale Haltung zu Weihnachten hat sich im Protestantismus aber nicht durchgesetzt (1660 wurde das Verbot aufgehoben), so dass das Weihnachtsfest heute nicht mehr von innerkirchlichen Grundsatzdebatten in Frage gestellt wird.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\">\n<p><strong>Ich w\u00fcnsche jedenfalls allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest!<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich in zwei Beitr\u00e4gen auf das Sankt Martins-Fest und den Nikolaus eingegangen bin, darf nat\u00fcrlich eine historische Schau auf das Weihnachtsfest selbst nicht fehlen. Der religi\u00f6se Kern des Festes, die Geburt Jesu, d\u00fcrfte hinl\u00e4nglich bekannt sein und kann im Lukasevangelium 2, 1\u201320 nachgelesen werden. 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