{"id":163,"date":"2010-09-18T12:00:15","date_gmt":"2010-09-18T10:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/?p=163"},"modified":"2010-09-17T18:26:48","modified_gmt":"2010-09-17T16:26:48","slug":"zeitschrift-rhein-maas-aus-dem-museum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/2010\/09\/18\/zeitschrift-rhein-maas-aus-dem-museum\/","title":{"rendered":"Zeitschrift Rhein-Maas: &#8222;Aus dem Museum&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Wie angek\u00fcndigt will ich einige Beitr\u00e4ge des ersten Bandes der neuen Zeitschrift Rhein-Maas vorstellen. Die neue Zeitschrift als solche habe ich bereits in einem <a href=\"..\/?p=32\" target=\"_self\">fr\u00fcheren Beitrag<\/a> hier pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Heute will ich die <strong>Rubrik &#8222;Aus dem Museum&#8220;<\/strong> n\u00e4her beleuchten, die im ersten Band mit zwei Beitr\u00e4gen vertreten ist, und zwar<\/p>\n<ul>\n<li>mit einem Beitrag \u00fcber das <strong>&#8222;SchifffahrtMuseum im D\u00fcsseldorfer Schlossturm&#8220;<\/strong> und<\/li>\n<li>einem \u00fcber die <strong>&#8222;Geschichte und Profil der Mahn- und Gedenkst\u00e4tte D\u00fcsseldorf: Vom Polizeipr\u00e4sidium zum Erinnerungsort&#8220;<\/strong>.<!--more--><strong><img decoding=\"async\" src=\"file:\/\/\/C:\/Users\/STEFAN%7E1\/AppData\/Local\/Temp\/EverNoteTempDir\/0000@361_trans.gif\" alt=\"\" \/><\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<div>Zun\u00e4chst stellt <strong>Eva-Marie Ehrig<\/strong> das <strong>&#8222;SchifffahrtMuseum im D\u00fcsseldorfer Schlossturm&#8220;<\/strong> vor (S. 199\u2013206).<\/div>\n<p>Eingangs schildert sie anschaulich die Lage des Museums, den Schlossturm an den Rheinuferpromenade in seiner historischen Bedeutung f\u00fcr das Herzogtum Berg und die Stadt D\u00fcsseldorf. Daraus leitet sich auch der Anspruch der naturgem\u00e4\u00df schwerpunktm\u00e4\u00dfig auf Schifffahrt, Handel und Wirtschaft ausgerichteten Einrichtung her, eine &#8222;Aussichts- und Wissensplattform zur allgemeinen Stadtgeschichte&#8220; zu sein, ein &#8222;Schnittpunkt zahlreicher Themenbereiche, die f\u00fcr Stadt und Region relevant und f\u00fcr die breite \u00d6ffentlichkeit ebenso wie f\u00fcr die Wissenschaft von Interesse sind&#8220; (S. 200).<\/p>\n<div>Nun beschreibt Eva-Marie Ehrig den Aufbau des Museums vom <strong>Untergeschoss<\/strong>, das sich dem Rhein als \u00d6kosystem und den Lebens- und Arbeitsbedingungen auf und am Fluss widmet, bis zum <strong>dritten Obergeschoss<\/strong>, in dem der Rhein als Reiseweg vorgestellt wird. Das Modell einer der Staatsjachten des Kurf\u00fcrsten Jan Wellem stellt hier das Prunkst\u00fcck der Sammlung dar. Die Entwicklung der F\u00e4hren und des Br\u00fcckenbaus stehen am Ende der Ausstellung.<\/div>\n<p>Dazwischen, im <strong>ersten Obergeschoss<\/strong>, findet der Besucher die D\u00fcsseldorfer Stadtgeschichte in einer Multimediashow pr\u00e4sentiert. Auch die Baugeschichte des Schlossturmes selbst wird hier beleuchtet, steht sie doch in unmittelbarem Zusammenhang zur Stadtgeschichte. Nach einem Brand 1872 wurde das Stadtschloss abgerissen, einzig der Schlossturm blieb erhalten und wurde restauriert. 1936 wurde er erstmals als Ausstellungsraum eines Garnisonsmuseums genutzt. Nach Kriegssch\u00e4den wurde der Turm 1949 wieder zur Nutzung hergerichtet. 1978 beschloss die Stadt D\u00fcsseldorf, im Turm ein Schifffahrtmuseum einzurichten. Die notwendigen aufwendigen Restaurationsma\u00dfnahmen wurden durch private Spenden in H\u00f6he von zwei Millionen Mark finanziert. 1984 konnte das Museum er\u00f6ffnet werden.<\/p>\n<div>Im <strong>zweiten Obergeschoss<\/strong> wird mittels verschiedener Schiffsmodelle &#8222;nicht nur die technische Entwicklung vom Einbaum zum Containerschiff [\u2026], sondern zugleich [der] Zusammenhang zwischen spezifischen Gegebenheiten unterschiedlicher Flussabschnitte (Nieder-, Mittel- und Oberrhein) und unterschiedlicher Bautypen veranschaulich[t]&#8220;. (S. 204)<\/div>\n<p>\u00dcber die Ausstellung mit ihren zahlreichen Exponaten hinaus &#8222;steht dem Besucher ein umfangreiches digitales <strong>Bild- und Fotoarchiv<\/strong> zur Verf\u00fcgung, das \u00fcber 2000 Grafiken und Fotos sowie auch Filmmaterial umfasst.&#8220; (S. 205)<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong> Eva-Marie Ehrig gelingt eine anschauliche Beschreibung des Museusm, seiner Geschichte und seiner Sammlung, so dass man durchaus Lust bekommt, bei einem Besuch in der Landeshauptstadt dem Schlossturm einen Besuch abzustatten. W\u00fcnschenswert w\u00e4ren noch kurze Informationen \u00fcber \u00d6ffnungszeiten und Eintrittspreise gewesen. Diese findet man zwar auf der Homepage des Museums (<a href=\"http:\/\/www.freunde-schifffahrtmuseum.de\/\">www.freunde-schifffahrtmuseum.de<\/a>), der Hinweis darauf ist aber etwas versch\u00e4mt in eine Fu\u00dfnote versteckt worden.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Ehrig, Eva-Marie, SchifffahrtMuseum im D\u00fcsseldorfer Schlossturm. In: Rhein-Maas. Studien zur Geschichte, Sprache und Kultur 1, 2010, S. 199\u2013206.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">____________________<\/p>\n<p>Das zweite &#8218;Museum&#8216;, das in diesem Band portraitiert wird, liegt ebenfalls in D\u00fcsseldorf. <strong>Bastian Fleermann<\/strong> und <strong>Frank Sparing<\/strong> stellen <strong>&#8222;Geschichte und Profil der Mahn- und Gedenkst\u00e4tte D\u00fcsseldorf: Vom Polizeipr\u00e4sidium zum Erinnerungsort&#8220;<\/strong> vor (S. 207\u2013215).<\/p>\n<p>Bei einer Gedenkst\u00e4tte handelt es sich definitionsgem\u00e4\u00df nicht einfach um ein Museum (deshalb oben auch die Anf\u00fchrungszeichen). Eine traditionell museale Aufbereitung der nationalsozialistischen Verbrechen w\u00e4re dieser Thematik kaum angemessen. Vielmehr sind Gedenkst\u00e4tten zugleich Orte der Sammlung, Dokumentation und Forschung und \u2013 nicht zuletzt \u2013 Orte der Erinnerung und des Ged\u00e4chtnisses. Man kann in einer solchen Einrichtung nicht abstrakt historisches Material \u00fcber den NS-Staat aufbereiten, ohne immer dessen konkrete Opfer vor Augen zu haben. Gedenkst\u00e4tten solle nicht einfach nur Wissen \u00fcber das Geschehene vermitteln, sie sollen vielmehr zu &#8222;Begegnung, Auseinanderetzung und Diskussion anregen,&#8220; sie &#8222;sind Ged\u00e4chtnisorte im \u00f6ffentlichen Raum und geh\u00f6ren mittlerweile selbst zur Stadtgeschichte sowie zur st\u00e4dtischen Kultur und deren Wahrnehmung,&#8220; (S. 207) wie die Autoren v\u00f6llig zurecht ihrer Darstellung der Gedenkst\u00e4tte voranschicken.<\/p>\n<div>Die D\u00fcsseldorfer Mahn- und Gedenkst\u00e4tte wurde am 17. September 1987 im D\u00fcsseldorfer Stadthaus er\u00f6ffnet und zeigt seitdem die <strong>Dauerausstellung &#8222;Verfolgung und Widerstand in D\u00fcsseldorf 1933\u20131945&#8220;<\/strong>. Hinzu kommen zahlreiche <strong>Sonderausstellungen<\/strong>. Zur musealen Pr\u00e4sentation tritt der <strong>Forschungsauftrag<\/strong> der Gedenkst\u00e4tte. So existiert eine archivalische Sammlung und eine Forschungsbibliothek.<\/div>\n<div>Im folgenden beschreiben die Autoren den historischen Bezug, der dem Ort der Gedenkst\u00e4tte, <strong>das historische Stadthaus<\/strong>, seine Authentizit\u00e4t verleiht. Denn 1926 wurde das am Ende des 17. Jahrhunderts errichtete Geb\u00e4ude von der Polizei angemietet und erst im Fr\u00fchjahr 1934 wieder verlassen. Daher wurde das Stadthaus zu einem ma\u00dfgeblichen Ort der nationalsozialistischen Macht\u00fcbernahme 1933 in D\u00fcsseldorf, an dem NS-Gegner inhaftiert, gefoltert und eingesch\u00fcchtert wurden, um jeglichen Widerstand gegen die neuen Machthaber zu unterbinden. Nach dem Auszug der Polizei 1933 bezogen die 20. SS-Standarte, die Heeresstandortverwaltung und einige st\u00e4dtische \u00c4mter das Geb\u00e4ude, so dass der Ort auch weiterhin von zentraler Bedeutung f\u00fcr die Verfolgung von politischen Gegnern, Juden, Sinti und Roma und aller anderen Gruppen war, die in den Fokus der nationalsozialistischen Ideologie und des Staates gerieten.<\/div>\n<div>Die Autoren erz\u00e4hlen ausf\u00fchrlich die weitere Geschichte dieses Standortes und seines Zusammenhangs mit dem nationalsozialistischen Terror in D\u00fcsseldorf. In seiner Komprimiertheit ist dieser Abschnitt des Beitrages sehr bewegend und f\u00fchrt die Notwendigkeit der konkreten Auseinandersetzung mit dem NS-Unrecht am historischen Ort deutlich vor Augen.<\/div>\n<p>In einem weiteren Abschnitt folgt die Beschreibung der <strong>Entstehung der Gedenkst\u00e4tte<\/strong>. Sie ist Teil der westdeutschen\/bundesrepublikanischen Erinnerungskultur, die in den achtziger Jahren ihre entscheidenden Impulse von der Geschichtswerkst\u00e4ttenbewegung erhielt. Solche Initiativen gingen in der Regel von engagierten Einzelpersonen oder Vereinen aus, &#8222;Geschichte von unten&#8220; ist das Stichwort der Zeit. Initiator in D\u00fcsseldorf war der Jugendring D\u00fcsseldorf, ein Zusammenschluss D\u00fcsseldorfer Jugendverb\u00e4nde.<\/p>\n<div>2010\/11 ist ein grundlegender <strong>Umbau<\/strong> des Stadthauses und damit der Gedenkst\u00e4tte geplant. In diesem Rahmen soll auch die Dauerausstellung neu konzipiert werden. Diese wird sich dann &#8222;dem Themenfeld &#8218;Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus&#8216; widmen und zur Verdeutlichung und lokalen Verortung mit biografischen Beispielen aus D\u00fcsseldorf arbeiten.&#8220; (S. 213) Diese neue Blickrichtung der Daueraustellung bietet die M\u00f6glichkeit, alle relevanten Aspekte des Lebens und Leidens im und unter dem Nationalsozialismus darzustellen. &#8222;Ziel der neuen Dauerausstellung soll es sein, die verschiedenen Formen des Erlebens von Kindheit und Jugend unter der nationalsozialistischen Herrschaft einer breiten \u00d6ffentlichkeit vorzustellen [\u2026]. Hierbei steht die Frage im Vordergrund, wie die Ver\u00e4nderungen von Strukturen in einer totalit\u00e4ten Gesellschaft die konkreten Lebenswege Einzelner beeinflussen und sich in reellen Lebenssituationen widerspiegeln.&#8220; (S. 214) Man darf gespannt sein, wie dieses amibitionierte Vorhaben gelingen wird.<\/div>\n<p>Beil\u00e4ufig erw\u00e4hnen die Autoren mit Verweis auf einen Zeitungsartikel der Rheinischen Post vom 6.11.2009 [es handelt sich wohl um <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/duesseldorf\/duesseldorf-stadt\/nachrichten\/Stadthaus-fuer-die-Wissenschaft_aid_779338.html\" target=\"_blank\">diesen Artikel<\/a>], dass das gesamte Geb\u00e4ude am 1. Oktober 2009 an einen privaten Investor verkauft wurde. Gerne h\u00e4tte man an dieser Stelle mehr erfahren \u00fcber die Beweggr\u00fcnde der Stadt f\u00fcr diesen Schritt und vor allem \u00fcber seine Auswirkungen auf die Konzeption und Arbeit der Gedenkst\u00e4tte. Diese etwas zusammenhanglos hineingeworfene Information wirft immerhin beim interessierten Leser Fragen auf, deren Beantwortung leider ausbleibt.<\/p>\n<div>Wie schon bei dem Beitrag von Eva-Marie Ehrig w\u00e4re auch hier eine kurze Auflistung wichtiger Daten und weiterf\u00fchrender Literatur und Internetlinks w\u00fcnschenswert. Grundinformationen erh\u00e4lt man immerhin <a href=\"http:\/\/www.ns-gedenkstaetten.de\/nrw\/duesseldorf\">hier<\/a>.<\/div>\n<p><strong>Fazit:<\/strong> Ein sehr informativer Beitrag \u00fcber die Geschichte der Mahn- und Gedenkst\u00e4tte D\u00fcsseldorf, der Interesse weckt f\u00fcr die anstehenden Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Fleermann, Bastian; Sparing, Frank, Geschichte und Profil der Mahn- und Gedenkst\u00e4tte D\u00fcsseldorf. Vom Polizeipr\u00e4sidium zum Erinnerungsort. In: Rhein-Maas. Studien zur Geschichte, Sprache und Kultur 1, 2010, S. 207\u2013215.<\/em><\/p>\n<div style=\"text-align: center;\">____________________<\/div>\n<p>In n\u00e4chster Zeit werde ich in weiteren Beitr\u00e4gen die Rubriken &#8222;Aufs\u00e4tze&#8220; und &#8222;Forum&#8220; betrachten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie angek\u00fcndigt will ich einige Beitr\u00e4ge des ersten Bandes der neuen Zeitschrift Rhein-Maas vorstellen. Die neue Zeitschrift als solche habe ich bereits in einem fr\u00fcheren Beitrag hier pr\u00e4sentiert. Heute will ich die Rubrik &#8222;Aus dem Museum&#8220; n\u00e4her beleuchten, die im ersten Band mit zwei Beitr\u00e4gen vertreten ist, und zwar mit &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-163","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rezensionen"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/163","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=163"}],"version-history":[{"count":21,"href":"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/163\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":225,"href":"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/163\/revisions\/225"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=163"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=163"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/historikerkraus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=163"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}